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Chytrid: Thema in der aktuellen GEO
Rindviech
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Beitrag: #21
RE: Chytrid: Thema in der aktuellen GEO

Natürlich gibt es Unterschiede zwischen einzelnen Arten und vermutlich auch zwischen einzelnen Populationen, deshalb hatte ich ja die Spiegelartikel über Aids gepostet, alles andere würde mich sehr wundern.

Den einheimischen Grasfröschen wird weder Chloramphenicol noch Itrakonazol helfen:
a) niemand wird den Wahnsinn begehen und grossflächig ein Chemotherapeutikum flächendeckend versprühen das wäre unverantwortlich, warum das so ist liegt einerseits an der Resistenzbildung und andererseits daran, dass es auch bei den Mikroben ein Gleichgewicht gibt (siehe den von mir geposteten Spiegelartikel). Die Folgen für das Ökosystem und für den Menschen wären für niemand kalkulierbar.
b) wird niemand das Geld dafür locker machen.

In der Terraristik können wir
a) Quarantäne machen
b) mit ner PCR schauen ob die Frösche Chytrid haben - zum Nachweis, dass die Frösche kein Chytrid haben ist die PCR eher nicht geeignet
c) wenns denn mal passiert wird von deutschen Tierärzten eben Itrakonazol verschrieben und das ist hier das Mittel 1. Wahl.

Ich denke es ist wichtiger sich um die Verhütung zu kümmern als um die Therapie - ich gehe immer noch davon aus dass auch von uns im Hobby infektiöses Material in die Umwelt gebracht wird und dass wir an der Verbreitung nicht unbeteiligt sind und auch die Natur in Deutschland ist nicht Chytridfrei. Allerdings es es auch nicht zu verantworten potentiell infiziertes Material in die Umwelt zu kippen.
Ausserdem wäre es wichtig, dass der Pilz verstanden wird - und hier gibt es vermutlich noch die grössten Defizite überhaupt. Wir reden jetzt seit wievielen Jahren über Chytrid? Was hat sich bisher in unserem eigenen Verhalten verändert?

Die mehrzahl der User hier hat 1 terrarium da wird ein Frosch reingesetzt und wenn er tot ist ist er halt tot das Zeug wird wegschmissen ohne Rücksicht auf Verluste ob das Biohazard ist.


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02.08.2010 14:50
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Guido
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Beitrag: #22
RE: Chytrid: Thema in der aktuellen GEO

@Rind

„Den einheimischen Grasfröschen wird weder Chloramphenicol noch Itrakonazol helfen:
a) niemand wird den Wahnsinn begehen…“

Hab ich doch weiter oben auch geschrieben,
Für die Anwendung in den Biotopen/Freiland, ist dieses Mittel wohl auch nicht zu gebrauchen - für das Hobby könnte es eine (zumindest mal geprüfte) Lösung sein.“

Welches Mittel der deutsche Tierarzt verordnet ist kein Dogma sondern auch Sache des „Patienten“…, Tatsache ist das Zeug wirkt auch in schweren Fällen und man hat bisher erfolglos versucht Nebenwirkungen bzw. Resistenzen zu erzwingen.

Wiki:
„Erkrankte oder infektionsgefährdete Tiere mit Antimykotikum z. B. Itraconazol als 10 minütiges Bad täglich über 7–10 Tage behandeln. Terrarien müssen gründlich gereinigt und desinfiziert werden (z. B. mit Benzalkoniumchlorid oder anderen fungiziden Desinfektionsmitteln, durch Hitze, Trockenheit oder 70 % Ethanol).[8]

Ebenso hat sich Chloramphenicol, ein Breitbandantibiotikum, als effektives Mittel zur Therapie selbst stark befallener Tiere herausgestellt, wie neuseeländische Wissenschaftler bei Untersuchungen an Litoria ewingii und L. raniformis nachweisen konnten.“

02.08.2010 16:52
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Rindviech
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Beitrag: #23
RE: Chytrid: Thema in der aktuellen GEO

Guido schrieb:
Welches Mittel der deutsche Tierarzt verordnet ist kein Dogma sondern auch Sache des „Patienten“…, Tatsache ist das Zeug wirkt auch in schweren Fällen und man hat bisher erfolglos versucht Nebenwirkungen bzw. Resistenzen zu erzwingen.


Guido ich glaube du verstehst nicht was resistente Bakterien sind und was sie so gefährlich macht (es gibt bereits ausreichend Resistenzen gegen Chloramphenicol - benutz mal Google)

Zu den Resistenzen

Zitat:
Unter Antibiotikaresistenz versteht man die erworbene Widerstandsfähigkeit von Bakterienstämmen gegen ein Antibiotikum, gegen welches sie normalerweise empfindlich wären. Bei resistenten Bakterien führt die Behandlung mit einem bestimmten oder gar mehreren Antibiotika nicht mehr zu ihrem Absterben oder ihrer Wachstumshemmung. Antibiotikaresistenz ist ein wachsendes Problem. Im Jahr 2005 infizierten sich rund drei Millionen Europäer mit Bakterien, die gegen bekannte Antibiotika resistent sind – 50.000 von ihnen starben daran.


Vereinfacht kannst Du sagen: je häufiger ein Antibiotikum eingesetzt wird desto mehr Bakterien werden Resistent gegen das Antibiotikum sprich es wirkt nicht mehr gegen diesen Keim und das unabhängig vom Organismus von dem es verwendet wird es wird stumpf und dann ist es vollkommen egal ob es am Mensch und am Tier angewendet wird.

Die Auswirungen von sorgloser Gabe von Antibiotika und falscher Hygiene sieht man heutzutage sehr gut an der steigenden Zahl von MRSA Infektionen, die in vielen Kliniken ein Problem darstellen.
Das doofe ist daran dass Keime die Fähigkeiten haben Multiresistenzen auszubilden und dass es Kreuzresistenzen (d.h. bakterien werden auch gegen ähnliche Wirkstoffe resistent) gibt. Du oder der Frosch oder wer auch immer können sich dann ne bakterielle Infektion einfangen gegen die nix und null mehr wirkt.


Ausserdem steigt die Resistenz von Bakterien zunehmend an - weil Mensch wichtiger als Tier verlieren sehr viele Antibiotika ihre veterinärmedizinische Zulassung - viele sind mit der Zeit Stumpf geworden ergo entsteht ein Behandlungsnotstand in der Veterinärmedizin, weil immer weniger wirksame und zugelassene Antibiotika der Veterinärmedizin zur Verfügung stehen.
Schon allein deshalb ist es richtig dass in Deutschland Itrakonazol zur Therapie von Chytrid verwendet wird und kein Antibiotikum.

Der Tierarzt muss also zum einen Abschätzen: Ist der therapeutische Nutzen der Therapie höher als die Gefahr für das Tier (Individuum) und stellt die Therapie eine Gefahr für die Volksgesundheit dar. Ausserdem muss der TA berücksichtigen ob er das Risiko eines "stumpfen Medikaments" eingeht, wenn es ein anderes Gibt das ebenso wirksam ist. Das hat nicht der Patient zu entscheiden sondern der TA oder Arzt genau deshalb ist Chloramphenicol verschreibungspflichtig.

CTE: hat recht Chloramphenicol ist NOCH ein gutes Antibiotikum das gegen sehr viele Erreger wirkt und damit das möglichst lange so bleibt sollte es sparsamst eingesetzt werden.

Und weil das ganze so ist - verschreibt eben der deutsche Tierarzt in der Regel Itrakonazol und das ist imo auch richtig.

Lange Rede kurzer sinn vielleicht wirkt Chloramphenicol gut gegen Chytrid aber wenn man es zu häufig einsetzt dann sterben die Frösche halt an einer bakteriellen Erkrankung, weil es eben dort dann nicht mehr wirkt und was hat man damit gewonnen?


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Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02.08.2010 19:01 von Rindviech.

02.08.2010 18:58
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Guido
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Beitrag: #24
RE: Chytrid: Thema in der aktuellen GEO

"Guido ich glaube du verstehst nicht was resistente Bakterien sind und was sie so gefährlich macht“

Rind, ich hatte mal eine Infektion mit Krankenhauskeimen an einem Ohr und das entsprechende Schwimmbad wurde auch geschlossen.

Hier geht es um Pilze bei Fröschen und nicht um Bakterien bei Menschen!

Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02.08.2010 19:56 von Guido.

02.08.2010 19:56
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Rindviech
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Beitrag: #25
RE: Chytrid: Thema in der aktuellen GEO

Guido Du verstehst es wirklich nicht oder?
Erklär mir doch mal bitte kurz warum Du der Meinung bist, dass wenn man einen Froschpilz mit einem für die Humanmedizin zugelassenen Antibiotikum behandelt es zu keiner Resistenz von Bakterien kommen kann, die den Menschen befallen?


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02.08.2010 20:17
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RE: Chytrid: Thema in der aktuellen GEO

Weil es grundsätzlich, mit einem für die Humanmedizin zugelassenen Antibiotikum zu einer Resistenz von Bakterien kommen kann, die den Menschen befallen.

Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02.08.2010 20:34 von Guido.

02.08.2010 20:30
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Rindviech
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RE: Chytrid: Thema in der aktuellen GEO

falsch bzw richtig und das schliesst aus, dass Bakterien, die beim Menschen Lungenentzündung hervorrufen können und im Sprühwasser des Terrariums vorkommen resistent werden können?


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Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02.08.2010 21:07 von Rindviech.

02.08.2010 20:41
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Thommes
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RE: Chytrid: Thema in der aktuellen GEO

Guido schrieb:
Weil es grundsätzlich, mit einem für die Humanmedizin zugelassenen Antibiotikum zu einer Resistenz von Bakterien kommen kann, die den Menschen befallen.


Hi Guido, ich habe Dich richtig verstanden: Du meinst das es nur Resistenzen gibt bei Bakterien/Erregern die den menschen befallen haben durch Antibiotika die für Humanmedizin zugelassen sind?

Das ist so nicht ganz korrekt. Den Bakterien (welche auch immer) ist es völlig wurscht gegen welches Antibiotikum und in welchem Wirt sie eine Resistenz bilden. Das können sie ja nicht unterscheiden.

LG Thommes


Wer wohnt in`ner Ananas tief unterm Meer?..........dank BP niemand mehr!
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02.08.2010 20:51
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Guido
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RE: Chytrid: Thema in der aktuellen GEO

Thommes

"Hi Guido, ich habe Dich richtig verstanden: Du meinst das es nur Resistenzen gibt bei Bakterien/Erregern die den menschen befallen haben durch Antibiotika die für Humanmedizin zugelassen sind?“

Nein, ich meine das hier ein Antibiotikum (bei Fröschen im Hobby angewendet) ziemlich gut gegen einen Pilz wirkt und daß es grundsätzlich, bei jedem für die Humanmedizin zugelassenen Antibiotikum zu einer Resistenz von Bakterien kommen kann, die dann Menschen befallen.

02.08.2010 21:22
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Rindviech
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RE: Chytrid: Thema in der aktuellen GEO

Naja Guido ich hab mir grad mal das Paper angeschaut ausser dass es sehr kleine Testgruppen waren, und das Experiment nicht doppeltverblindet durchgeführt wurde (was mich jetzt nicht so stören würde) wurde sowohl die Infektion mit PCR nachgeweisen als auch die Gesundung. PCR ist aber für den Negativnachweis von Chytrid nicht geeignet, d.h. wenn der Frosch mittels PCR negativ getestet wurde kann er trotzdem Chytrid haben.

Und zu den Organschäden es wurden keine Sektionen durchgeführt und der Beobachtungszeitraum war viel zu kurz, um Organschäden auszuschliessen.
Ich denke das selbe ergebnis würdest du vermutlich mit lamisil bei entsprechendem Versuchsaufbau bekommen


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02.08.2010 21:22
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